Ökosysteme im Alpengarten
Im Alpengarten sind die «Pflanzengesellschaften» das wichtigste Ausstellungsgut.Die Pflanzen wachsen dort, wo sie auch von Natur aus wachsen würden, d.h. der Garten ist ein Stück eingezäunte, nach wissenschaftlichen Prinzipien gepflegte Natur.

Jedes Lebewesen existiert in der Natur dort, wo alle notwendigen Bedingungen erfüllt sind, wo die gesamte Ökologie stimmt: Für die Pflanzen muss die Nährstoff- und Wasserversorgung im Boden passen, die Temperatur- und Lichtverhältnisse müssen stimmen und es dürfen keine Lebewesen vorhanden sein, die mit dieser Pflanze nicht verträglich sind. Man spricht dann von einer Pflanzengesellschaft und wenn man die Tiere mit einschliesst, von einer Lebensgemeinschaft, von einem «Ökosystem». Auch für Tiere, Moose, Flechten, aber auch Pilze, Algen und Bakterien gilt, dass sie immer dort vorkommen, wo alles für sie passt, wo die «biotischen und die abiotischen ökologischen Faktoren» richtig sind. Wenn irgendetwas nicht stimmt, fehlt die Art. In den Alpen sind diese Pflanzengesellschaften und die zugehörigen Ökosysteme noch weitgehend so erhalten, wie sie sich über Jahrhunderte hinweg entsprechend den natürlichen Gegebenheiten und unter dem Einfluss der traditionellen Alpwirtschaft entwickelt haben, während jene im Flachland sehr stark verändert wurden.

Es gibt kaum zwei Arten, die in allen Ansprüchen übereinstimmen, die also immer gemeinsam vorkommen. Entsprechend gibt es keine identischen Bestände. Um trotzdem Ordnung schaffen zu können, spricht man von «Pflanzengesellschaften», wenn mehrere Bestände in allen wesentlichen Merkmalen übereinstimmen. (Pflanzensoziologie)

Diese Pflanzengesellschaften sind ein sehr guter und feiner Indikator für die gesamte Ökologie an einer bestimmten Stelle.

Im Alpengarten nehmen drei solche Pflanzengesellschaften den grössten Teil der Fläche ein: die Blaugrashalde, die Rostseggenhalde und die Milchkrautweide. Sie waren vor der Gartengründung schon da. Sie wurden in kleinen Einpflanzungen angereichert durch Arten, die andernorts in der Schweiz in diesen Pflanzengesellschaften wachsen.

Borstgrasweide, Windecke, Kalkfels, Zwergstrauchheiden sind weitere Gesellschaften, die von Natur aus von Anfang an vorhanden waren.

Grünerlengebüsch, Hochstauden und Läger gibt es in der Umgebung seit langer Zeit, im Garten wurden sie angepflanzt und seither passend unterhalten.

Alpines Flachmoor, Kalkschutthalde, Urgesteinsfeld und Schneetälchen sind grössere künstliche Anlagen, die den erwünschten Pflanzen Standorte bieten, die im Garten ganz fehlten.

In einer Anlage sind 36 Heilpflanzen zusammengestellt, die in der alpinen Stufe vorkommen. Ein spezieller Führer orientiert darüber.

Um schweizerische Alpenpflanzen zu beschaffen, die im Alpengarten immer noch fehlen, werden an ihren natürlichen Vorkommen unter Schonung der Bestände Samen gesucht und im Saatbeet, im Klima der Waldgrenzlage, durch die Gärtnerinnen aufgezogen.

Im Führer «Alpengarten Schynige Platte» sind diese Pflanzengesellschaften detailliert beschrieben. Er ist für CHF 5.– im Alpengarten-Shop erhältlich.